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Erinnerungen eines alten Zebras
Wenn Sie glauben, Zebras hätten kein Gedächtnis, dann täuschen Sie sich! Wie gut kann ich mich an die Zeit erinnern, da alle Schüler über meine Streifen zum Schulhaus gehen mussten. Wie freute ich mich, wenn Herr Brandenberg die Schulkinder und Kindergärtler bei mir oder meinem Bruder am VOLG unten versammelte und ihnen einschärfte, wie sie mit meiner Hilfe "LOSE, LUEGE, LAUFE!" die Strasse überqueren sollten. Ganz sorgfältig malte er die kleinen Füsse dort aufs Trottoir, wo die Kinder sich aufstellen mussten. Eigentlich ging ja auch alles immer gut, denn die Kinder begriffen schon, dass ein solcher Streifen wie meiner sie nicht vor einem Auto bewahren kann, wenn sie einfach blindlings über mich auf die Strasse hinaus rennen. Aber auf einmal, nämlich 2009, wurde alles ganz anders. Die Strasse nach Stadel bekam einen neuen Belag, wurde an manchen Stellen verengt und an einer sogar durch eine lange Betoninsel zweigeteilt. Bloss daran, die Zebrastreifen wieder aufzumalen, dachte offenbar niemand bei der Gemeinde. Aber nicht alle waren derselben Meinung. Zum Glück nahmen sich einige Mitglieder des f.o.r.u.m, angestossen durch Erwin Griesser, meiner an. Weil er ganz in der Nähe wohnt, konnte er beobachten, wie seither die Kinder ohne Orientierung irgendwo die Strasse überquerten und das manchmal auf abenteuerliche Weise. Im Herbst 2009 sprachen Erwin Griesser und einige f.o.r.u.msmitglieder mit einer Verkehrsexpertin der Zürche Kantonspolizei und mit dem Gemeinderat. Sie mussten feststellen, dass wir Zebras sozusagen über Nacht in Ungnade gefallen waren und die Behörden wie die Polizei uns nach Afrika zurückspedieren wollten. Aber meine Freunde gaben nicht auf! Sie beschlossen, Informationen zu sammeln und wenn sie sich umhörten, stellten sie bald fest, dass recht viele Leute in Weiach mich und meinen Bruder vermissten und gerne wieder über meine Streifen gegangen wären. Ob es vielleicht sinnvoll war, genügend Weiacherinnen und Weiacher zu vereinigen, um an einer Gemeindeversammlung wieder die Heimholung der Zebras zu verlangen? Im Mitteilungsblatt von Februar und Mai 2010 riefen sie die Weiacher auf, sich zu äussern und ihre Solidarität mit uns Zebras zu bekunden. Und siehe da: über 100 Unterschriften zu unseren Gunsten kamen zusammen! Nun war es an der Zeit, dass die Zebra-Freunde des f.o.r.u.m beim Gemeinderat anklopften und um ein Gespräch baten. Dies fand vor den Sommerferien 2010 auch statt, zwar in freundschaftlicher Atmosphäre, aber ohne Ergebnisse. Ausser der Erkenntnis, dass der Gemeinderat keine Möglichkeit sah, die Entscheidung der Verkehrsfachleute in Frage zu stellen, weil das nicht in seiner Kompetenz liege. Damit die Weiacher besser verstünden, warum die Zebras nach Afrika gehörten, werde Ende September eine Informationsveranstaltung stattfinden. Diese fand wirklich am 27. September statt, verlief aber leider auch enttäuschend. Es referierte derselbe Herr Brandenberg, der früher so überzeugend die Kinder angeleitet hatte, mit Vorsicht und Verstand meine Streifen zu benutzen. Jetzt aber liess er an mir kein gutes weisses oder schwarzes Haar mehr, sondern bewies voller Begeisterung, nur der Verzicht auf uns Zebras könne wirklich Unfälle vermeiden helfen. An der Oktobersitzung des f.o.r.u.m war die Enttäuschung über diesen Abend gross. Mussten die f.o.r.u.m -Leute klein beigeben und die gelben Streifen vergessen? Oder doch eine Gemeinde-Initiative lancieren, um den Gemeinderat auf die richtige Spur zu bringen? Eine Dreiergruppe erhielt den Auftrag, an der Sache dran zu bleiben und eine Initiative vorzubereiten. Im November 2010 stellte sich heraus, dass die Weiacher nicht die einzigen sind, die gerne ihre Zebras zurück hätten. Auch in Stadel und Neerach gibt es zahlreiche Zebra-Freunde. Nun sollen die Anstrengungen aller Gemeinden vereinigt werden und vielleicht gelingt es auf diese Weise, uns Zebras aus dieser Verbannung heimzuholen! Fortsetzung folgt! Zebra-Erinnerungen (Printout) |